28.09.2021

Zusammenhang Cannabis und Gehirn im Jugendalter

Eine internationale Langzeitstudie zeigt, dass Cannabiskonsum bei Jugendlichen Einfluss nimmt, und zwar sowohl auf das Verhalten als auch auf das noch nicht ausgereifte Gehirn.

Zum Start der Studie waren die rund 800 Teilnehmer/innen etwa 14 Jahre alt und hatten keinen Kontakt zu Cannabis. Fünf Jahre später konsumierte ein Teil davon. Manche gelegentlich, manche häufiger. Zu beiden Zeitpunkten wurde eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns erstellt. Der Konsum von Cannabis in der Jugend beeinflusst Prozesse im Gehirn. Unter den Personen, die zwischen den beiden Untersuchungszeitpunkten Cannabis konsumierten, zeigten die zweiten Aufnahmen der MRT nach fünf Jahren unterschiedliche Bilder im Vergleich zu jenen, die nicht konsumierten. Bei den Cannabiskonsumierenden war der präfontale Cortex (dieser befindet sich an der Stirnseite des Gehirns) in verschiedenen Regionen dünner, also weniger entwickelt als in der Vergleichsgruppe. Der präfontale Cortex ist der Bereich im Gehirn der für die Impulskontrolle zuständig ist. Er wird aktiv, wenn wir etwas planen oder komplexe Probleme lösen. Er ist so etwas wie der Organisator für Ressourcen des Gehirns und Zeit - er führt so eine to-do Liste über zu erledigende Aufgaben und setzt Prioritäten. Das ist wichtig, wenn wir Dinge gleichzeitig machen, wie Autofahren und sprechen. Der Bereich hilft uns Probleme zu lösen und Handlungen zu planen. Er ist sozusagen derjenige Kumpel, der versucht, uns zu Vernunft zu mahnen. Im Vergleich zu anderen Gehirnregionen - beispielsweise eher emotional betonte - entwickelt sich der präfontale Cortex langsam. Bis in die frühen 20er-Jahre.

Also: Emotionen und vernünftiges Denken sind noch lange nicht verbunden. Das sich in der Entwicklung befindliche Gehirn reagiert auf psychoaktive Substanzen empfindlich.

Die besagte Studie zeigte ebenso: je mehr Cannabis - desto ausgeprägter die Folgen. Die Teilnehmer/innen, die Cannabis konsumierten, hatten größere Schwierigkeiten, sich auf Aufgaben zu konzentrieren. Die Studienleitung hatte auch eine biologische Erklärung. Die Veränderungen im Gehirn treten genau dort auf, wo es für Cannabis-Inhaltsstoffe viele Andockstellen gibt.

Mögliche Schwächen der Studie wurden ebenso eingeräumt. Dazu zählt etwa, dass die Angaben über die Menge des konsumierten Cannabis ausschließlich auf Eigenangaben der Teilnehmer/innen beruhten. Zudem wurde nicht gefragt wie konsumiert wurde.

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