Alkohol: Kulturgut, Konsumgut und psychoaktive Substanz

Im Mittelalter (ca. 6. bis 15. Jh.) wurde Alkohol zunehmend zum Problem. In großen Mengen verfügbar wurden teilweise Tagelöhner und Leibeigene mit Alkohol entlohnt.

Das war auch später im Industriezeitalter noch gängige Praxis. Englische Arbeiter wurden mit Alkohol bezahlt was zum sogenannten Elendsalkoholismus führte. Seit 1750 versuchten die Regierungen Englands und der amerikanischen Kolonien erfolglos, dem übermäßigen Alkoholkonsum Herr zu werden.

In den USA wollte man dieses Problem zwischen 1919 und 1933 durch ein generelles Alkoholverbot, die sogenannte Prohibition, lösen. Folglich blühte der Schwarzmarkt und die Kriminalität stieg enorm an. Auch die ursprüngliche Motivation, die Bevölkerung durch die Prohibition vor der Substanz zu schützen, wurde für die verbleibenden KonsumentInnen, die sich dem Verbot nicht unterwarfen, zum Problem. Ohne staatlicher Kontrolle war es um die Qualität des Alkohols (Dosierung, Hygiene,...) nicht gut bestellt. Viele Personen wurden krank und starben.

Zeitlich begrenzte Prohibitionen existierten auch in anderen Ländern. Einige Länder bestanden und bestehen nach wie vor auf Alkoholverbote. Vor allem in Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung. Eine völlige Freigabe des Alkohols gibt es im Grunde nirgendwo. Kindern und Jugendlichen ist der Konsum oder der Erwerb untersagt. Regional gibt es oftmals an öffentlichen Plätzen Verbote oder Einschränkungen.

In Österreich stand zu Beginn der Ersten Republik die "Alkoholfrage" erstmals im Mittelpunkt des politischen Interesses. Während sich die Christlich-Sozialen als Vertreter der Alkoholproduzenten gegen gesetzliche Vorschriften wandten und Alkoholismus als individuelles Problem ansahen, setzten sich die Sozialdemokraten für staatliche Maßnahmen zum Schutz (v.a. der Arbeiterschaft) ein und errichteten im "Roten Wien" erste stationäre wie ambulante Behandlungsangebote. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und im Zuge der zunehmenden wissenschaftlichen Erforschung und der Umwandlung der "Alkoholfrage" von einer politisch-moralischen in eine medizinisch-psychiatrisch wurden auch außerhalb Wiens Angebote für Alkoholkranke geschaffen.

 

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Schon in der Antike, im alten Griechenland, wurde der Rausch regelrecht zelebriert. Dionysos (links) gilt als der Gott

des Weines und des Rausches. In den USA wurde Alkohol während der Prohibition weg geschüttet (rechts).

Viele Menschen trinken nichts, einige trinken in Gesellschaft. Wieso und weshalb Personen trinken ist sehr unterschiedlich.

Vielerorts, zum Beispiel auf öffentlichen Plätzen, gibt es nach wie vor Alkoholverbote.

Sucht ("siechen") oder Abhängigkeit ist eine Krankheit. Etwas 10% der ÖsterreicherInnen gelten als alkoholkrank.

Etwa fünf 5% der österreichischen erwachsenen Bevölkerung ab 15 Jahren kann als alkoholabhängig eingestuft werden.