Cannabis: zwischen Nutzen und Schädlichkeit kontrovers diskutiert

 

Substanz

 

Cannabis ist die botanische Bezeichnung der Hanfpflanze und enthält rund 420 Inhaltsstoffe. Der wichtigste von ihnen ist Tetrahydrocannabinol (THC).

In Europa ist "Cannabis Sativa" die am häufigsten vorkommende Gattung. Es gibt eine weibliche und eine männliche Form der Pflanze, eher selten sind zwittrige Varianten. Die psychoaktiven Wirkstoffe sind in den Blüten der weiblichen Pflanze enthalten.

Das Gemisch aus getrockneten Blatt-, Blüten- und Stängelteilen wird als Marihuana (Gras, Ganja) bezeichnet, das gepresste (und oft gestreckte) Harz der Pflanze als Haschisch (Shit, Dope). Zudem gibt es (eher selten) auch Cannabis-Öl, das aus dem Harz gepresst wird und einen sehr hohen THC Anteil aufweist.

 

Cannabis hat eine lange Tradition als Heil- und Rauschmittel. Über seinen medizinischen Einsatz bzw. einzelner daraus gewonnener Wirkstoffe, etwa in der Schmerztherapie, wird auch heute immer wieder diskutiert. Einzelne Hanfsorten ("Nutzhanf") - dürfen in Österreich als wirtschaftliche Nutzpflanze angebaut werden. Diese eigenen sich wegen ihres geringen Wirkstoffgehalts nicht als Rauschmittel.

Geschichte

 

Bereits vor 6000 Jahren wurde in Vorderasien der Hanf als Heil-, Kult-, Rausch- und Nutzpflanze genutzt. Zum Beispiel für die Erzeugung von Stoffen und Seilen oder zur Gewinnung von Hanföl. Auch zur Papierherstellung wurde die Faser der Pflanze genützt.

 

Die berauschende Wirkung ist seit Tausenden von Jahren bekannt und hat sich zunächst in Indien etabliert, als heiliger Bestandteil kultischer Handlungen. In der traditionellen Medizin Asiens ist Cannabis als Beruhigungs- oder Betäubungsmittel im Einsatz. In der modernen Medizin gewinnt Cannabis wieder an Bedeutung. Bei der Behandlung von Grünem Star sowie zur Unterdrückung des Brechreizes und zur Appetitanregung bei Krebs- und Aidspatientinnen werden Medikamente auf THC-Basis eingesetzt.

Als Nutzpflanze verlor der Hanf an Bedeutung, weil Kunstfasern aufgekommen sind und ergiebigere Ölpflanzen angebaut wurden. Zudem wurden die Hausapotheken mit Produkten der modernen Pharmaindustrie chemisch aufgerüstet. Cannabis ist in fast allen Staaten eine verbotene Substanz. Die Verbote wurden großteils in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingeführt. Nicht allein die berauschende Eigenschaft der Pflanze sondern auch massive politische und wirtschaftliche Interessen liegen dem Verbot zu Grunde. In Österreich, wie auch in vielen anderen Ländern hat sich Cannabis, trotz des Verbots, zu der am häufigsten konsumierten illegalen Substanz entwickelt.

 

Aktuell ist der Umgang mit Cannabis wieder verstärkt im medialen Diskurs. Im US-Bundesstaat Colorado wurde 2014 das Kiffen erlaubt.

Aufnahme & Abbau

 

Cannabis wird meist - mit Tabak vermischt - als Joint oder mit speziellen Pfeifen geraucht (gekifft).

 

Beim Rauchen tritt die Wirkung sehr schnell, etwa innerhalb von 10 Minuten ein und hält ca. 2 bis 3 Stunden an. Das kann natürlich sehr variieren. In Nahrungsmitteln vermischt, also in Kuchen und Keksen ("Spacekekse") oder in Trinkform (Tee), entfaltet sich die Wirkung erst nach etwa 1 bis 2 Stunden. Die Wirkung tritt plötzlicher ein als beim Rauchen. Je nachdem wie voll der Magen ist dauert die Wirkung bis zu 5 Stunden. Der Effekt beim Essen oder Trinken ist schwieriger steuerbar als beim Rauchen und eine Überdosierung ist wahrscheinlicher.

Der Abbau von THC dauert länger als seine Wirkung. Das bedeutet, anders als beim Alkohol, dass man zwar nicht mehr berauscht ist, sich im Körper aber unwirksame Reststoffe in fettstoffreichem Gewebe abgelagert haben. Diese werden sehr langsam abgebaut und können lange nachgewiesen werden. Je nachdem wie oft und wie intensiv konsumiert wird können diese Abbauprodukte im Urin zwischen 10 Tage und 3 Monate nachgewiesen werden.

 

Ein Urintest sagt nichts darüber aus, ob jemand gerade unter Cannabiseinfluss steht, sondern nur, ob er oder sie in den letzten Wochen oder Monaten überhaupt konsumiert hat. Da die Substanz illegal ist kann ein solcher Nachweis zur Anzeige führen. Eine Nachweisbarkeit im Blut kann eher einen akuten Cannabiseinfluss und eine eventuelle Berauschung feststellen. Cannabis kann etwa 6 bis 12 Stunden im Blut nachgewiesen werden. Lange, nämlich bis zu 6 Monate, können die Abbauprodukte mittels Haaranalysen festgestellt werden.

 

 

Wirkung, negative Wirkung und Risiken

 

Die Wirkung von Cannabis kann je nach Person und Tagesverfassung sehr unterschiedlich sein. Es kommt auch auf die Dosis und den Reinheitsgrad (THC-Anteil) der Substanz an. Zudem beeinflusst die Erfahrung und die Erwartung die Wirkung. Cannabis kann beruhigend (sedierend), anregend (stimulierend) oder selten halluzinogen wirken. Zumeist fühlt man sich abgeschwächt und entspannt.

 

Zielgerichtetes, konzentriertes Denken wird schwierig. Berichtet wird, dass die momentane Stimmung und die Wahrnehmung intensiviert werden. Auch tritt häufig Heißhunger auf weil der Blutzuckerspiegel abfällt. Das Rauscherlebnis kann aber von Konsument zu Konsument stark variieren.

Akute Risiken

 

Wahnhafte Störungen sind zwar selten, können aber einige Tage anhalten. Bei manchen Personen kann, durch Überdosierung oder Genuss einer sehr starken Sorte, eine drogeninduzierte Psychose ausgelöst werden. Augenrötung ist eine fast sichere körperliche Wirkung, aber auch Herzrasen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Bewegungsunruhe und gesteigerte Hungergefühle können auftreten. Meist erfolgt eine schlaffördernde Müdigkeit, manche werden aber auch unruhig und rastlos.

Langzeitfolgen / Abhängigkeit

 

Mehrmals die Woche oder täglich konsumiert kann Cannabis psychisch abhängig machen. Das merkt man, wenn man das Gefühl hat ohne Cannabis nicht mehr entspannen zu können oder sich beim Einschlafen schwer tut. Auch ist es ein Zeichen psychischer Abhängigkeit, wenn man fast alles unternimmt, um an Cannabis zu kommen. Beim häufigen Gebrauch nimmt die Wirkung ab (Toleranzentwicklung). Weil Cannabis zumeist geraucht wird, werden dadurch auch die Atemwege und die Lunge geschädigt.

Gesetz

 

Cannabis ist in Österreich illegal und unterliegt dem Suchtmittelgesetz. Jeder Umgang ist verboten, darunter fällt die Erzeugung, der Besitz, Erwerb und die Weitergabe. Auch die Übergabe eines Joints in einer Runde ohne selbst einen Zug zu machen kann prinzipiell strafrechtlich verfolgt werden. Es gibt keine erlaubte Kleinstmenge, auch nicht für den Eigengebrauch.

Cannabis im Kurzüberblick

Cannabis: Schadenspotentiale und Schadensminderung

Cannabis im Gehirn

Alle die nicht gleich ein medizinisches Fachbuch lesen wollen, können sich hier trotzdem sehr anschaulich darüber informieren, wie Cannabis und andere Substanzen im Gehirn wirken.

Hier geht es zur Flash-Animation, die, unter anderem auch in Deutsch verfügbar ist.

Was passiert beim Kiffen?

 

Cannabis wirkt nicht immer gleich. Je nach Person, Situation, Stimmung, der Menge die man konsumiert und der Reinheit der Substanz kann der Rausch anders ausfallen. Auf der deutschen Seite drugcom wird veranschaulicht, was das Kiffen bei einem alles so macht. Unangenehmes und angenehmes, Fressflash und Co. werden hier gut dargestellt.