Kokain: heilige Pflanze, medizinisches "Wundermittel" und Modedroge

 

Substanz

 

Kokain (Koka, Koks oder Schnee) ist ein weißes oder gelbliches, kristallines und bitter schmeckendes Pulver. Es wird durch Zugabe von Wasser und Chemikalien aus den Blättern des Kokastrauchs gewonnen.

Kokain ist fast immer ein Gemisch aus Kokain und einer oder mehreren anderen Substanzen als Streckmittel. Teilweise sind die Streckmittel nicht psychoaktiv (z.B. Milchpulver oder Zucker). Häufig werden die Mittel zum Strecken aber so gewählt, dass eine stärkere Dosierung des Kokains vorgetäuscht werden kann.

Die Mittel zum Vermischen sind zumeist sehr schädliche und riskante Stoffe (zum Beispiel Levamisol, das ursprünglich als Mittel gegen Fadenwürmer eingesetzt wurde) und somit mit einem hohem gesundheitlichen Risiko verbunden.

Geschichte der Substanz

 

Die Blätter des Kokastrauchs, der "heiligen Pflanze" der Inka, werden gekaut oder als Teeaufguss noch heute von den Indios konsumiert. Koka dient(e) zur Unterdrückung des Hungergefühls aus religiösen und mystischen Gründen sowie zur Steigerung der Ausdauer und der Arbeitskraft.

Nach Europa gelangte die Pflanze erst im 18. Jahrhundert. Der psychoaktive Wirkstoff des Kokastrauches wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals chemisch isoliert und später als "medizinisches Wundermittel" angepriesen. Zum Beispiel als lokales Betäubungsmittel in der Augen- und Zahnmedizin. Es gab damals weder Verbote oder Rezeptpflichten. Die Substanz etablierte sich als beliebtes Mittel und war Bestandteil zahlreicher industriell gefertigter Präparate.

Ein Extrakt des Kokastrauches fand sich auch ein einem speziellen, damals sehr populären Wein (Vin Mariani) um 1900 wieder. Die anregende Wirkung des Weins fand viele (prominente) Verehrer. Auch der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, war nach einigen Kokain-Selbstversuchen zunächst begeistert und hielt es eine Zeit lang für ein mögliches Heilmittel bei psychischen Erkrankungen. Später schrieb er, dass er das Abhängigkeitspotenzial und die Folgeschäden der Substanz deutlich unterschätzt hat.

Generell wurde Kokain zu dieser Zeit nicht als gefährliche Substanz gesehen. Problematischer Konsum - oder (aus heutiger Sicht) allfälliges Suchtverhalten - wurde auf die Charakterschwäche der Konsumierenden zurückgeführt. Ein findiger Drogist erfand 1886 ein Brausegetränk aus Kokapflanzenextrakt und Kolanuss. Dieses Getränk gilt als Vorläufer des Coca-Cola. Ob das ursprüngliche Coca-Cola tatsächlich Kokain oder wirkstofflose Extrakte aus der Kokapflanze beinhaltete ist jedoch umstritten. Dem Verkaufserfolg hat dieser Mythos sicher nicht geschadet.

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Aufnahme & Abbau

 

Kokain wird in der Regel geschnupft. Manche Formen (Crack) können aber auch geraucht oder gespritzt werden.

Kokablätter werden gekaut und gesaugt. Sie wirken aber nur in Verbindung mit einem "Katalysator", zum Beispiel mit Kalk oder gepresster Pflanzenasche.

Kokain wird fast vollständig in der Leber abgebaut, ein Teil der Droge wird über die Niere ausgeschieden. Circa ein bis vier Prozent der Droge werden unverändert im Urin ausgeschieden.

Im Urin kann Kokain etwa 2-4 Tage nachgewiesen werden (bei einmaligem Konsum), im Blut ca. 1 Tag und im Haar bis zu mehreren Monaten.

Wirkung / negative Wirkung

 

Die Wirkung von Kokain hängt von vielen, ganz unterschiedlichen Umständen ab. Die Dosierung spielt ebenso eine Rolle wie die Reinheit der Substanz und auch die Form (Applikation) wie man die Substanz zu sich nimmt.

Wird Kokain geschnupft, setzen die Wirkungen ca. nach 2-3 Minuten ein und halten etwa 30-50 Minuten an und somit länger als beim Spritzen oder Rauchen.

 

Kokain wirkt in erster Linie aufputschend und bewirkt Gefühle gesteigerter Leistungsfähigkeit und erhöhten Wohlbefindens. Antrieb und Bewegungsdrang steigen, Angst verringert sich. Typisch ist auch eine erhöhte Kontaktfreudigkeit. Für die relativ kurze Dauer der Wirkung wird meist auch das Selbstwertgefühl gesteigert.

 

Körperlich macht sich das Antriebsgefühl auch bemerkbar. Der Puls und die Atemfrequenz werden schneller. Insgesamt wird der Körper auf höhere Leistungsfähigkeit eingestellt. Allerdings führt das Kokain dem Körper keine Energie zu. Im Gegenteil: Die Kraftreserven werden schneller verbraucht und die körperliche Beanspruchung ist enorm. Als unangenehme Wirkung bezeichnen viele KonsumentInnen das abrupte Ende des Rausches. Nach dem Abklingen der Euphorie treten häufig ängstlich-paranoide Stimmungsphasen auf, begleitet von akustischen oder optischen Halluzinationen. Nachdem der Körper "ausgepowert" wurde, fühlt man sich erschöpft, antriebslos und niedergeschlagen. Oftmals kommen Angstzustände und Gereiztheit hinzu. Die Wirkung beim Kauen der Kokablätter ist nicht mit dem Kokainkonsum vergleichbar, da es meist zu keinem Rauschzustand kommt. Der Mund fühlt sich betäubt an. Koka soll Energie geben und das Hungergefühl unterdrücken.

Langzeitfolgen

 

Kokainkonsum verursacht eine hohe psychische Abhängigkeit. Viele KonsumentInnen ertragen den Zustand der Leere nach einer Konsumeuphorie sehr schwer. Der Drang, rasch wieder Kokain zu konsumieren oder schnell "nachzulegen", um in die Euphorie zu kommen ist sehr hoch. Kokain ist in der Lage, zumindest kurzfristig Selbstzweifel zu vertreiben und sich selbstbewusster zu fühlen. Andere nehmen das als übertrieben oder emotionale Kälte war. Oftmals wird Kokain einige Tage sehr intensiv konsumiert, dann folgen Tage unter großer körperlicher und psychischer Erschöpfung und es folgt wieder eine Konsumphase.

Der Körper reagiert mit Gliederschmerzen, Gewichtsverlust oder chronischem Schnupfen. Körperlich kann häufiger Konsum zu schweren Entzündungen der Nasenschleimhaut oder gar zur Zerstörung der Nasenscheidewand führen. Langfristig kann es zu schweren Schädigungen des Herzgewebes führen und folglich zu Herzfehlern und Infarkten. Die Leistungssteigerung und die Erhöhung der Kreativität in Konsumphasen werden überschätzt. Demgegenüber steht die nachteilige Wirkung: innere Leere, Lustlosigkeit, Depression und Erschöpfung.

Gesetz

 

Kokain unterliegt dem Suchtmittelgesetz. Der Erwerb, der Besitz, die Erzeugung, Ein- und Ausfuhr, die Weitergabe und Verschaffung für andere ist strafbar.

Risiken

 

Generell gibt es keinen risikolosen Kokainkonsum. Neben strafrechtlichen Konsequenzen stellen vor allem die (unbekannten) Streckmittel ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Kurzfristige, physische Gefahren des Kokainskonsums sind - durch die kreislaufanregende Wirkung - Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme bis hin zu Herz- oder Atemstillstand. Es kann zu Leber- und Nierenschäden durch Streckmittel kommen. Oftmals geht die erlebte Selbstsicherheit und Ruhelosigkeit durch Kokainkonsum in Leichtfertigkeit und arrogante Selbstüberschätzung über. Beim Runterkommen von Kokain schlägt die Euphorie schnell in Verstimmung, Gereiztheit und Angstgefühle um. Verlust des Interesses an Nahrung und Sexualität sowie Depressionen sind häufige Symptome.

Kokain im Gehirn

Auf der Seite einer der größten Einrichtungen für Suchthilfe in den Niederlanden, können sich alle, die nicht gleich ein medizinisches Fachbuch lesen wollen, darüber informieren, wie Kokain und andere Substanzen im Gehirn wirken.

Hier geht es zur Flash-Animation, die, unter anderem auch in Deutsch verfügbar ist.