Sucht - "siechen"

 

Das Wort "Sucht" leitet sich aus dem germanischen "siech" ab, das ursprünglich auf Siechtum und Krankheit hinwies, und hat sich vermutlich erst im 19. Jahrhundert zu einem moralisch besetzten Begriff gewandelt.

 

Lange Zeit wurde der Begriff "Sucht" vor allem mit körperlicher, substanz-gebundener Abhängigkeit gleichgesetzt. Nun wird es allerdings immer üblicher, den Begriff "Sucht" auch auf psychische und soziale Abhängigkeit sowie auf nicht-substanzgebundene Süchte, also Verhaltenssüchte wie Spielsucht, Fernsehsucht, Fettsucht, Magersucht, Sexsucht usw. auszudehnen.

 

Um der Gefahr der Beliebigkeit des Suchtbegriffs entgegenzuwirken, ist es allerdings notwendig, auch in Zusammenhang mit nicht-substanzgebundenen Süchten eine klare Grenze zu ziehen und darauf zu bestehen, dass "Sucht" Krankheitscharakter hat.

 

"Sucht" darf nicht einfach mit "Gewohnheit" oder "Problemverhaltensweisen", die (noch) der willentlichen Kontrolle des Subjekts unterliegen" gleichgesetzt werden. Von "Sucht" sollte man nur sprechen, wenn das zu Grunde liegende Problemverhalten zu einem eigendynamischen, zwanghaften Verhalten wird. Die Begriffe Sucht und Abhängigkeit werden hier synonym verwendet.

Was ist Sucht?

 

Sucht ist eine Krankheit, die Auswirkungen auf Körper und Geist hat. Von Sucht kann dann gesprochen werden, wenn drei der folgenden Merkmale vorliegen:

 

 

  • ZWANG

wenn ich etwas nicht mehr freiwillig nehme/mache, sondern "muss"

 

  • DOSISSTEIGERUNG

ich brauche immer mehr von einem Mittel/Verhalten

 

  • KONTROLLVERLUST

ich merke nicht mehr, wie viel ich eigentlich konsumiere 

 

  • ENTZUGSERSCHEINUNGEN

mir geht etwas ab, wenn ich das Mittel/Verhalten nicht habe 

 

  • LEIDEN UND SCHÄDIGUNG

wenn ich gesundheitliche, berufliche oder andere Nachteile habe.

 

Der Begriff Droge kommt übrigens vom niederländischen "droog" (trocken) und meint im ursprünglichen Sinne Stoffe vor allem pflanzlicher, aber auch tierischer oder mineralischer Herkunft, die oft durch Konservierung, z.B. Trocknung, relativ haltbar gemacht werden und als Heil- und Genussmittel oder Gewürze Verwendung finden.

Wie entsteht Sucht? --> Konsummuster

 

Eine Sucht entsteht nicht von heute auf morgen. Die Dauer einer Suchtentstehung ist höchst unterschiedlich, oft folgt sie aber folgenden Schritten oder nach folgenden Konsummustern:

  

  • Genuss

bedeutet, ein Mittel oder ein Verhalten mit Gespür für das richtige Maß zu konsumieren/auszuführen: hin & wieder, bewusst, geplant, mit Spaß...(Beispiel: Ein Bier oder ein gutes Glas Wein mit FreundInnen trinken)

 

  • Missbrauch

bedeutet, ein Mittel oder ein Verhalten als Möglichkeit zum Ausweichen verwenden: zur Ablenkung, zum Frustabbau, zur "Problemlösung"... (Beispiel: Etwas trinken, weil mir fad ist oder weil ich grantig bin)

 

  • Gewöhnung

liegt dann vor, wenn der Missbrauch regelmäßig und "automatisch" betrieben wird (Beispiel: Täglich zur Flasche greifen, wenn ich abends vor dem Fernseher sitze).

 

  • Abhängigkeit

kann eine Folge der Gewöhnung sein: Das Mittel/Verhalten wird "notwendig" zur Lebensbewältigung (Beispiel: ich ertrage keinen Urlaub auf einer Hütte oder am Strand ohne Alkohol).

  

  • Sucht

liegt dann vor, wenn das Mittel oder Verhalten wichtigster Teil des Lebens ist und die oben genannten Kriterien erfüllt sind (Beispiel: Ich kann ohne Alkohol nicht mehr leben, denke an nichts anderes...). Diese Entwicklung geht nicht "von selbst", wer einmal etwas missbraucht, muss deswegen nicht süchtig werden; aber jede Stufe ist die Voraussetzung für die nächste, und es ist leichter, die Schritte vom Genuss in Richtung Sucht zu gehen als umgekehrt.

 

 

 

Wie entsteht Sucht? --> Einflussfaktoren

 

Gründe für Sucht sind vielschichtig, allerdings sind drei Faktoren bei der Entstehung von Suchterkrankungen von großer Bedeutung:

 

 

  • Persönlichkeit (Mensch)

Persönliche Einflussfaktoren sind zum Beispiel mangelnde Konfliktfähigkeit, instabiles Selbstwertgefühl, Störungen in der Beziehungsfähigkeit, geringe Frustrationstoleranz und vieles mehr.

 

  • Droge (Mittel/Substanz)

Nicht jeder Mensch, dessen Persönlichkeit oben genannte Mängel aufweist, greift automatisch zur Droge. Es kommt auch auf die Verfügbarkeit der Droge, ihre Wirkung, Verträglichkeit und die Dosis an.

  

  •  Gesellschaft (Milieu)

Die Gesellschaft beeinflußt die Suchtentstehung durch die Akzeptanz einer Droge oder durch die Abgrenzung bestimmter Personengruppen, die nicht der Norm entsprechen. Aber auch gesellschaftliche Bedingungen im Zusammenleben (zum Beispiel soziale Konflikte, Verarmung etc.) können eine Suchterkrankung fördern.

 

 

Was kann ich zur Vorbeugung tun?

 

Prä-vention heißt: der Sucht zuvor-kommen.

 

 

  • Für mich

um mich selbst kümmern, schauen was mir gut tut, Gefühle wahrnehmen und annehmen, mir Zeit für mich nehmen, mich über Erfolge freuen, mich gern haben, mir Unterstützung holen...

 

  • Für andere

für andere da sein, andere ernst nehmen, mit anderen fair streiten, anderen vertrauen, andere akzeptieren und ihnen ihren Freiraum lassen, andere loben, offen sein für andere...

 

  • Für die Gesellschaft

mich als Teil der Gesellschaft sehen, in meinem Umfeld mitgestalten, den Mund aufmachen, Neues kennenlernen, aktiv sein...

 

Zusammenfassung: Sucht ist eine Krankheit, die im Alltag entsteht - und dort kannst du auch für dich und andere etwas tun.

 

 

...über Sucht

Schulpeers im Brainstorming zum Suchtbegriff.

Wie kommt es zur Sucht?

Die drei Faktoren Mensch, Suchtmittel und Umwelt müssen jeweils ungünstig ausgeprägt sein und zusammen wirken, damit eine Sucht entstehen kann.